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Joseph Parsons: Reviews

Deutsche

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lmmer dann, wenn sich Joseph Parsonsauf das Wesentliche beschränkte (also das romantisch/klassische Songwriting) funktionierte die Sache besser als dann, wenn er nach Möglichkeiten forschte, seine Musik zu modernisieren oder sein Heil in Kollaborationen suchte. Das ist auch bei dem neuen Werk, ,,Heavens Above" so. Dieses ist - im Gegensatz zu dem Vorgänger - reichhaltig aber nicht pompös orchestriert und bietet Joseph Parsons als Songwriter Höchstform. So viele erstklassige, abwechslungsreiche, warmherzige und liebevoll ausgearbeitet Tracks hat er jedenfalls bislang noch nicht auf einer Scheibe versammelt.
Ullrich Maurer - WESTZEIT (Oct, 2008)
Some things never change…and they never should. Seit unzähligen Jahren beliefert das Blue Rose Label Freunde Folk- und Countrylastiger Musik mit kleinen Perlen. Kaum vorstellbar, dass es in Deutschland eine Countryszene vor dem erscheinen der blauen Rose gegeben haben soll. Und beim neuen Joseph Parsons Album “Heavens Above” haben wir es mit einer typischen Blue Rose Platte eines typischen Blue Rose Künstlers zu tun.

Joseph Parsons, der nach rund zehn Jahren zum Stamminventar des Labels gehört, legt mit “Heavens Above” eine dieser grundsoliden Folkplatten vor, die den Hörer mit catchy Midtempo-Nummern so lange bezirzen, bis es irgendwann tatsächlich klick macht.

Zu den Songs, die für solche Klick-Momente prädestiniert scheinen, zählen Nummern wie “Skipping Stone” oder “Sitting On Top Of The World”, bei dem sein Freund und Labelkollege Elliott Murphy mit von der Partie ist. Die poplastigen Folksongs erinnern stark an die Stücke des Songwriters Kristofer Åström. Von Altherrenmusik kann hier wahrlich keine Rede sein. Dies könnte dem Indie von Nebenan durchaus gefallen.

Das größte Glanzstück ist hierbei “Falling”, ein bezauberndes Duett mit Emiliana Zeitlyn. Die Nummer gehört auch zu den Stärksten, die der Amerikaner je auf Platte presste. Einzig der verstaubt und abgemüht wirkende Titeltrack und das träge “Sympathy” zünden auf dieser Platte so gar nicht. Dies sind jedoch die Ausnahmen, die eine simple Regel bestätigen. Parsons ist auf “Heavens Above” ein begnadeter Songwriter in der Form seines Lebens.
Die Sonne scheint immer, auch wenn es regnen sollte Countryrock hat schon eine gewisse Erhabenheit und Anmut: Joseph Parsons findet jung zu seinem Altersstil Fünfunddreißig Jahre nach den "Rolling Stones" beweist der Amerikaner Joseph Parsons, daß man unter der französischen Sonne eine perfekte, alkoholselige Country-, Folk- und Bluesplatte aufnehmen kann.

Die Hinwendung zur Einfachheit ist in der Regel das Ergebnis eines Reifeprozesses. Nur in Ausnahmefällen steht sie am Anfang; meistens verdankt sie sich krisenhaften Erfahrungen: Entweder geht es mit dem Werk, dem Leben oder mit beidem so nicht mehr weiter. Der an seinem Alkoholismus verzweifelnde Alex Chilton war so ein Fall, der immer komplizierte Dinge im Kopf hatte und sich nach Einfachheit sehnte. Ein anderes Beispiel ist Bob Dylan, der nach seinem Motorradunfall im Sommer 1966 im Jahr darauf buchstäblich in den Keller ging, um mit "The Band" die "Basement Tapes" einzuspielen (die erst 1975 veröffentlicht wurden). 1968/69 brachte er zwei lupenreine Countryplatten heraus, die klangen wie nicht von dieser oder zumindest nicht von Dylans bis dahin bekannter Welt und die aufgrund ihrer Simplizität als genial empfunden wurden.

Der Geist dieser Musik wurde zuerst verbreitet von Leuten, die nichts anderes konnten als Country und Blues und die ihr meistens nur sehr kurzes Leben ganz dieser Sache widmeten, Leute, die nicht mehr die Möglichkeit hatten, etwas Neues auszuprobieren; ihre Mission war mit der Erfindung dessen, was wir heute in einem sehr weiten Sinne unter Americana verstehen, erfüllt. Ihre wichtigsten Vertreter sind Robert Johnson und Hank Williams.

Wenn man sich die neue Platte von Joseph Parsons anhört, dann könnte man sie als eine der vielen zeitgenössischen Americana-Platten im Singer-Songwriter-Segment willkommen heißen, aber es damit auch gut sein lassen - wäre Parsons' hier nun vorläufig und höchst glücklich endende Entwicklung nicht so interessant und die Platte selbst kein Meisterwerk.

"The Fleury Sessions", der rasche Nachfolger von "The Vagabond Tales", wurde im Anschluß an eine aufreibend lange Europa-Tournee in der französischen Kleinstadt Fleury En Bierre eingespielt und ist für sich genommen schon der Beleg dafür, daß Blues, Country und Folk an keinen Standort gebunden sind und auch da gedeihen, wo man normalerweise ganz andere Musik macht - die "Rolling Stones" bleiben mit ihrem in Südfrankreich aufgenommenen Doppelalbum "Exile On Main St." das unerreichte Vorbild.

Joseph Parsons hauste mit seiner Band dort wahrscheinlich nicht ganz so luxuriös, aber die Arbeitsbedingungen müssen überaus angenehm gewesen sein, denn die "Sessions" bestechen mit einer Entspanntheit, die selbst in diesem Segment selten ist und das Resultat eines längeren Selbstfindungsprozesses ist. Denn Joseph Parsons, Jahrgang 1964, der bei Eingeweihten schon länger für Qualitätsrock steht, irrte durch Stile und Länder, bevor er zu dieser fast einzigartig lässigen, selbstbewußten Spielweise fand. In den achtziger Jahren reiste der aus Philadelphia Stammende zwischen Ost- und Westküste hin und her, 1991 arbeitete er für Kinderheime in Bagdad, danach betrieb er verschiedene Bandprojekte und landete schließlich bei dem auch sonst verdienstvollen, im schwäbischen Abstatt ansässigen Label Blue Rose Records, einer der Adressen, wo man noch weiß, was Artist Development bedeutet, von dem die Manager so gerne reden. Mit keiner seiner inzwischen fünf Blue-Rose-Platten landete Parsons in den Hitparaden, dazu ist seine Musik auch zu vielseitig. Er ist im Delta-Blues genauso zu Hause wie im Trip-Hop und muß sich deshalb nicht darüber wundern, daß man ihn schon mit Dylan und "Massive Attack" gleichzeitig verglich. Seine unbetitelte Platte von 1999 ist ein schönes Beispiel dafür, wie zwanglos heute alles miteinander verrührt werden kann, vorausgesetzt, es gibt eine Basis, die Parsons im Folk- und Countryrock natürlich von Anfang an hatte.

Mochte diese Platte noch etwas unentschlossen wirken, so gerieten ihm seine "Vagabond Tales" im vergangenen Jahr erheblich geschlossener. Zwar klang er nun stellenweise wie die Hitparadenband "Foreigner", aber die akustischen Klänge und der Hang zum Balladenhaften wiesen eindeutig in Richtung Americana - voller Sentiment und Introspektion, textlich vielleicht etwas zu konventionell und harmlos, aber schnörkellos produziert und mit ansprechenden Melodien. Hervorzuheben sind, wegen ihrer anrührenden, momentweise hymnisch-pastoralen Art, "Angel" und "Good or Bad".

"The Fleury Sessions" sind nun einem Geist verpflichtet, den Emmylou Harris einmal so beschrieb: "Erst habe ich Countrymusik nur wegen des Feelings gesungen. Dann erkannte ich, wieviel doch auch die Texte enthalten. Es ist ein Drahtseilakt zwischen Gefühlsduselei und Banalität auf der einen und Aufrichtigkeit und Realitätstreue auf der anderen Seite. Das hat schon eine gewisse Erhabenheit und Anmut." Ist es erhaben und anmutig, wenn ein Mann sich als Dummkopf bezeichnet, weil er mit seinen Freunden immer wieder einen über den Durst trinkt und mit der Liebe Schwierigkeiten hat? Es ist das klassische und vielleicht sogar das einzige Countrythema, das Parsons in dem besten Song besingt. Allein wegen "Fool Again" lohnt sich diese Platte, ein Lied, in dem Musik, Text und Parsons' angenehm ruhiger Gesang bestens aufeinander abgestimmt sind, ein Wunder an Country-Folk, wie es nur alle paar Jahre einmal gelingt.

Aber der Rest - und das ist das Bemerkenswerte an diesem perfekt federnden, glasklar produzierten Album - fällt nicht nennenswert ab. "Sun Gonna Shine" nimmt den Sonnenschein als die Lebensmetapher, die im Country selten ist; "Taken By Surprise", "King of Baltimore" und "All the Love" sind mitreißende, aber jederzeit unter Kontrolle gehaltene Mid- beziehungsweise Uptempo-Nummern, und "First Sight" klingt wie die allerbesten Tom-Petty-Lieder, gelassen, machtvoll, aber immer mit dem Gespür für die Fatalität des südstaatlichen Lebensgefühls, das Parsons aus seiner Zeit in Louisiana kennt, wo er seine allererste Platte aufgenommen hat.
Dies ist nun der Altersstil des Joseph Parsons, auch wenn es noch ein wenig früh sein mag für diese Feststellung. Belassen wir's dabei, reifer kann er kaum noch werden.
EDO REENTS

Joseph Parsons, The Fleury Sessions; inklusive DVD Live at the Crossroads Festival/Rockpalast Blue Rose Records 0398 (www.bluerose-records.de)
Alle Rechte vorbehalten.
© F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Edo Reents - FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Schlichte Schönheit, einfache Verpackung - nur ein Mann bei der Arbeit, einmal am Klavier, neunmal mit der Gitarre. Der Mann hat sich selbst einen Wunsch erfüllt. Nach all den perfekt produzierten Alben mit verschiednen Bands, Touren mit unterschiedlichen Formationen, Duos oder auch alleine, wollte er eben so etwas, alleine mit sich und seiner Musik, für eine CD einspielen. Herausgekommen ist ein feines Stück Musik, einem Poesie-Album gleich: persönlich, intim, hörenswert -Joseph Parsons.

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Was sagt Joseph doch selber zu diesem Projekt, dass es nur auf seinen Konzerten, nicht aber im regulären Handel gibt: "Seit vielen Jahren schon wollte ich ein Solo-Album machen mit Liedern, die so viel wie möglich von dieser Energie des 'Entstehungsmoments' beinhalten. Manche von diesen Liedern haben das. Manche Lieder sind ganz neu und wurden später für das Album 'Heaven's Above' aufgenommen. Du kannst merken, dass die Arrangements und auch einige Worte, Akkorde oder Melodien anders sind, sich noch nicht wirklich gesetzt haben. Aber für mich ist dies Teil des wunderbaren Schreibprozesses, zu sehen, wohin das Lied selbst will & und wie es 'heranwächst'. Dieses Album ist handgemacht. Keine Überspielungen, alles Einzelstücke & roh."

Mit einem verhalten gespielten, nur die Akkorde setzenden Piano, beginnt es sehr schüchtern, Shy. Sein autobiografsche Stück Dume Room kommt hier so, dass man fast dabei ist, als dieses Erlebnis stattfand. Vor vielen Jahren, damals in L.A., Kalifornien, als sich die Jugend in das Erwachsen-Werden wandelte. Der Alpha Mann, Alpha Male, war damit zwar noch nicht geboren, aber die Idee hatte den Körper schon mal sanft berührt. Sitting On Top Of The World ist ein Danke-Schön an den verehrten Freund Elliot Murphy. Seine Geschichte über dies verträumte Mädchen lädt ein zum Mitträumen, aber die Wahrheit bleibt dann doch eher nüchtern. Im Titelsong Falling, melancholisch ruhig vorgetragen, spielt Joseph seinen ganzen Charme aus und der ist ja durchaus überzeugend. So kommen dann Myriad Of Things über einen herein. Aber mit dem richtigen Partner an der Seite lässt sich auch diese Erfahrung kraftvoll erleben. In dem starken Children In The Sun hört man förmlich die Kleinen mit ihrem Lachen und Weinen und diesem grenzenlos wahren Vertrauen in die Welt. Da möchte man Kind & Eltern zugleich sein. Heart & Soul ist einmal mehr 'always about love'. Aber das ist eben einfach schön! Never Meant ist eine persönliche Bestandsaufnahme, über das was man ist, will, sein kann - für Andere, aber auch für sich selbst. Mit Sun Gonna Shine, Josephs Hymne an die Fröhlichkeit, endet diese Audienz bei einem der großen zeitgenössischen Singer/Songwriter. - Schön, dass Sie uns 40 Minuten Ihrer Zeit geschenkt haben, Mister Parsons.